Nr. 170, Juni 2004

Schwerpunkt: Vom alten und vom neuen Europa mit Essays von Juri Andruchowytsch, Lavinia Greenlaw, Nedim Gürsel, Susan Neiman, Andrzej Stasiuk und Jáchym Topol. Dazu:

  • Marcel Beyers Text Der Mauersegler und Ingo Schulzes Jemenitisches Tagebuch.
  • Volker Sielaff stellt die ukrainische Lyrikerin Marjana Gaponenko vor.
  • Lothar Müller würdigt Lutz Seiler.
  • Joachim Kalka berichtet vom amerikanischen Wahlkampf.

Editorial

„Spätestens als die USA im Vorfeld des Zweiten Irakkrieges versuchten, in Europa Verbündete auf diplomatischem Parkett einerseits und als Alliierte beim Feldzug im Irak andererseits zu finden, konnte man gewahr werden, mit wie vielen verschiedenen Stimmen Europa sprach. Sowohl in als auch außerhalb der EU fanden sich Staaten, die mit den Amerikanern einer Meinung waren und solche, die eine militärische Intervention im Nahen Osten ablehnten. Es blieb dem Verteidigungsminister der USA vorbehalten, den Begriff ‘Altes und Neues Europa’ zu prägen. Uns würde nun interessieren wie Sie als Autor (nicht als Politiker), das Verhältnis von alter und neuer Welt einschätzen. Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach die USA auf Ihre persönliche Lebenswirklichkeit? Dabei kann es um politische Implikationen gehen, aber auch um den Einfluß der Vereinigten Staaten als global player auf kulturellem Gebiet. Wir planen nicht, ein Fanal für oder gegen den Irakkrieg zu organisieren.“

So formulierten wir in unserem Einladungsschreiben zum Autoren-Special der diesjährigen Leipziger Buchmesse, das unter dem Motto „Vom alten und vom neuen Europa“ stand. Wir luden sechs Autorinnen und Autoren aus sechs Ländern ein, dazu einen Vortrag zu verfassen. In dieser Ausgabe dokumentieren wir die Beiträge von Juri Andruchowytsch (Ukraine), Lavinia Greenlaw (Großbritanien), Nedim Gürsel (Türkei/Frankreich), Susan Neiman (USA/Potsdam), Andrzej Stasiuk (Polen) und Jáchym Topol (Tschechien).

Das Heft eröffnet aber Marcel Beyer mit einer Kostprobe seines in Arbeit befindlichen Romans, in dessen Zentrum ein Ornithologe aus Dresden steht. Volker Sielaff stellt in unserer Reihe „Auf Tritt Die Poesie“ Marjana Gaponenko vor. Joachim Kalka berichtet vom amerikanischen Wahlkampf, und Lothar Müller lobt den bei Berlin lebenden Dichter Lutz Seiler. Wir drucken Müllers Laudatio, die er anläßlich der Übergabe des Bremer Literaturpreises an Lutz Seiler gehalten hat. Den Abschluß bildet ein Reisetagebuch Ingo Schulzes, der im Januar mit einer Gruppe Schriftsteller um Günter Grass (G. G.) den Jemen besuchte.


Inhalt

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Marcel Beyer
Der Mauersegler. Apus apus 128
     
  Auf Tritt Die Poesie  
Volker Sielaff „Der Schneesturm wütet draußen, hör zu“ 138
Marjana Gaponenko Gedichte 140
     
Joachim Kalka GB/US. Notizen (XII) 146
Lothar Müller Der Knochenträumer 153
     
  Vom alten und vom neuen Europa  
Juri Andruchowytsch Get Lost 160
Lavinia Greenlaw Europäische Fügung 171
Nedim Gürsel Einige Gedanken über Europa 183
Susan Neiman Altes und neues Europa 192
Andrzej Stasiuk Die Parodie als Überlebensstrategie des Kontinents 205
Jáchim Topol Der Ost-West-Mitteleuropäer 214
     
Ingo Schulze Jemenitisches Tagebuch 228