Nr. 169, März 2004

Schwerpunkt: Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2003 mit Beiträgen von Angelica Ammar, Sigrid Behrens, Katharina Berger, Jasmin Hermann, Julia Löhr, Georg Schattney, Thomas v. Steinaecker und Thomas Weiss. Außerdem:

  • Michael Schmitt untersucht die Wirtschaftsromane „Der schwarze Grat“ von Burkhard Spinnen und „Gain“ von Richard Powers.
  • Anna Mitgutsch beschäftigt sich mit Mehrsprachigkeit und Übersetzen am Beispiel von Gedichten Sylvia Plaths.
  • Joachim Kalka schreibt über George W. Bushs Pläne einer Mars-Expedition.
  • In der Reihe „Auf Titt Die Poesie“ stellt Michael Braun die Gedichte von Monika Rinck vor.

Editorial

Als das Literarische Colloquium 1963 gegründet wurde, war eines der ersten größeren Projekte Walter Höllerers eine Schreibwerkstatt. Es entstand nicht nur der Kollektivroman Das Gästehaus, sondern auch die Dokumentation Prosa Schreiben. Wie es damals zuging, erzählten im Mai letzten Jahres anläßlich der Veranstaltungen zum 40. Jahrestag der LCB-Gründung Peter Bichsel (damals Teilnehmer), Peter Rühmkorf und Günter Grass (beide damals Lehrer). Die gemeinsame Arbeit am Manuskript, der kollegiale Austausch über Möglichkeiten des Erzählens gehörten somit schon immer zum inneren Programm des Hauses. Im Jahr 1997 wurde diese Tradition mit der seitdem kontinuierlich stattfindenden „Berliner Autorenwerkstatt Prosa“ wieder aufgenommen. Die „Werkstatt“ entwickelte sich bald zu einer der erfolgreichsten Unternehmungen im Hause Am Sandwerder. Weit über die Hälfte aller mittlerweile 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eigene Buchveröffentlichungen vorgelegt, etliche wurden mit wichtigen Preisen geehrt. So wurde im letzten Jahr Inka Parei mit dem Ingeborg Bachmann-Preis ausgezeichnet.

In diesem Heft stellen wir die acht von Dieter Stolz und Thomas Geiger betreuten Teilnehmer aus dem Jahr 2003 vor. Sie kommen aus Paris, Hamburg, München und Frankfurt am Main, drei aus Berlin. Auch das ist ein Ausdruck dafür, wie sehr diese „Talentschmiede“ (Volker Hage im Spiegel) über Berlin hinauswirkt. Bei der Lektüre der acht vorgestellten Texte wird schnell klar werden, daß es uns nicht darum geht, einen bestimmten Stil, eine bestimmte Schreibschule zu etablieren, sondern ganz im Gegenteil darum, ausgeprägte Individualstile zuzuspitzen – und im besten Falle dabei behilflich zu sein, einen Verlagsort zu finden. Lassen Sie sich überraschen.

Außerdem schreibt in diesem Heft Anna Mitgutsch über das Leben in zwei Sprachen. Michael Schmitt vergleicht in seinem Essay die Unternehmerbiographie Der schwarze Grat von Burkhard Spinnen mit dem Roman Gain von Richard Powers. Joachim Kalka beschäftigt sich in seiner Kolumne mit der Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, endlich den Mars zu kolonisieren, und Michael Braun stellt in Auf Tritt Die Poesie die in Berlin lebende Lyrikerin Monika Rinck vor.


Inhalt

  Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun
Drehung im rhythmischen Zeremoniell 4
Monika Rinck Gedichte 8
   
Anna Mitgutsch In zwei Sprachen leben 14
     
 
Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2003
Angelica Ammar Bibliotheken 28
Sigrid Behrens Der Horizont ist eine Kante 38
Katharina Berger Wer/Wen 46
Jasmin Hermann Bei den Eisbären 53
Julia Löhr Großer Wind 63
Georg Schattney Der Zahlenkrieger 72
Thomas v. Steinaecker Version 81
Thomas Weiss Schmitz 89
     
Michael Schmitt Auf einem schmalen Grat 98
     
Joachim Kalka GB/US. Notizen (XI) 109