Nr. 168, Dezember 2003

Schwerpunktthema: Hic sunt leones – Der deutsche Kolonialismus in Südwestafrika in der Literatur. Mit Beiträgen von Ute Gerhard, Christof Hamann, Martin Hielscher, Rolf Parr, Steffen Richter, Uwe Timm. Außerdem:

  • Hubert Winkels über Patrick Roth
  • Joachim Kalka beschäftigt sich diesmal mit dem Wahlsieg Arnold Schwarzeneggers in Kalifornien
  • In der Reihe "Auf Tritt Die Poesie" stellt Matthias Göritz die Lyrikerin Ann Lauterbach vor.

Editorial

Er will sich nicht länger beim „Abschlachten unschuldiger Menschen“ beteiligen, sagt Johannes Gottschalk, die Hauptfigur in Uwe Timms Morenga, dem nach wie vor wichtigsten deutschsprachigen Roman zum Kolonialismus im ehemaligen „Südwestafrika“. Mit dem „Abschlachten“ ist der erste von Deutschen verübte Genozid gemeint, der Völkermord an den Herero und Nama, der 1904 seinen Anfang nahm. Hundert Jahre nach Ausbruch dieses Kolonialkriegs konzentrieren wir uns in einem Schwerpunkt auf die Art und Weise, wie in der deutschen Literatur dieser Massenmord verhandelt wird. Nach einem Abriß der historischen Ereignisse, den Steffen Richter verfaßte, stehen zeitgenössische literarische Texte zur Diskussion. Rolf Parr arbeitet Parallelen und Differenzen bei den beiden damaligen Beststellerautoren Gustav Frenssen und Hans Grimm heraus. Ute Gerhard untersucht die Rolle der „Siedlungsbewegung“ im einst wohl populärsten Kolonialroman: Volk ohne Raum von Hans Grimm. In weiteren Essays werden Texte der Gegenwart analysiert: Martin Hielscher zeigt, wie in Morenga mittels Sprache koloniale Strukturen aufgedeckt und unterlaufen werden; Steffen Richter beschäftigt sich mit dem Umgang gegenwärtiger Literatur mit der kolonialen Vergangenheit des Deutschen Reiches. In einem Interview spricht Uwe Timm von den fragwürdigen deutschen Tugenden, den Vorzügen der Literatur gegenüber der Geschichtswissenschaft und der Notwendigkeit, utopische Gedanken auszuformulieren. Zwischen diesen Beiträgen gibt es zwei literarische Texte zu lesen von Christof Hamann: Inventur nimmt die ‘Vorfreude’ gegenwärtiger Namibia-Reisender aufs Korn, in Namibia, ein Traum vermischen sich bei einer Phantasiereise durch das südafrikanische Land Vergangenheit und Gegenwart. Die Redaktion bedankt sich bei Christof Hamann und Steffen Richter für die Zusammenstellung dieses Schwerpunktes.

Die weiteren Beiträge blicken diesmal in die USA. Matthias Göritz stellt in unserer Kolumne „Auf Tritt Die Poesie“ die am Bard College lehrende Lyrikerin Ann Lauterbach vor. Hubert Winkels führt in das Werk des in Los Angeles lebenden Schriftstellers Patrick Roth ein, und Joachim Kalka beschäftigt sich mit dem Phänomen des Schauspielers als Politiker, diesmal anhand des Steirers Arnold Schwarzenegger.


Inhalt


Hic sunt leones
Der deutsche Kolonialismus in Südwestafrika in der Literatur

 
Steffen Richter
"… oder lasse auf sie schießen" 388
Rolf Parr Nach Gustav Frenssens Peter Moor 395
Christof Hamann Inventur 411
Ute Gerhard Eine "gestaute" Masse in Bewegung 415
Steffen Richter "Hic sunt leones" 428
Christof Hamann Namibia, ein Traum 444
Christof Hamann
Uwe Timm
"Einfühlungsästhetik wäre ein kolonialer Akt" 450
Martin Hielscher Sprechende Ochsen und die Beschreibung der Wolken 463

   
Joachim Kalka GB/US. Notizen (X) 472

   
Hubert Winkels No fiction 480

Auf Tritt Die Poesie  
Matthias Göritz Wenn in der Zeit 490
Ann Lauterbach Gedichte 494