Nr. 166, Juli 2003

Als wir dieses Heft planten, stand im Mittelpunkt ein Rückblick auf 40 Jahre Literarisches Colloquium Berlin – 40 Jahre deutsche Literaturgeschichte (Beiträge von Helmut Böttiger, Gunhild Kübler, Viktor Pelewin, Iris Radisch, Andreas Tretner, Hubert Winkels).

Überschattet wird die Ausgabe nun vom Tod Walter Höllerers, des Gründers unserer Zeitschrift und des LCB. Günter Grass, Norbert Miller, Peter Rühmkorf und Bernhard Setzwein würdigen ihn. Außerdem:

  • Joachim Kalka beschäftigt sich mit der Benennung von Kriegen.
  • In unserer Reihe „Auf Tritt Die Poesie“ stellt Volker Sielaff den polnischen Lyriker Piotr Sommer vor.

Editorial

Lachen und Weinen in der Dichtung einer Übergangszeit: So lautet der Untertitel der Habilitationsschrift Walter Höllerers „Zwischen Klassik und Moderne“. Zwischen Lachen und Weinen – so könnte man auch dieses Heft überschreiben, ein Heft, das ganz dem 40jährigen Jubiläum des Literaischen Colloquiums hätte gewidmet sein sollen, nun allerdings vom Tod Walter Höllerers überschattet wird. Der Begründer des LCB und dieser Zeitschrift starb am 20. Mai – nur wenige Tage nach dem offiziellen Festakt. Walter Höllerer zu Ehren drucken wir jenes Gedicht, das Günter Grass bei der Trauerfeier am 27. Mai auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße gelesen hat, wir dokumentieren die dort von Norbert Miller gehaltene Trauerrede sowie Nachrufe von Peter Rühmkorf und Bernhard Setzwein.

Der zweite Teil des Walter Höllerer gewidmeten Heftes beginnt mit der Festrede, die Iris Radisch am 16. Mai auf das LCB gehalten hat. Hubert Winkels, heute vor allem renommierter Literaturkritiker, blickt auf den Abschnitt seines Lebens zurück, als er noch ganz Autor war und als solcher stellvertretend für zahllose Stipendiaten berichtet, welch vielfältigen Gefahren man als Gast im LCB ausgesetzt ist. Helmut Böttiger beschreibt den Funktionswandel, dem Literaturzeitschriften wie diese unterliegen. Gunhild Kübler skizziert einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit des LCB: den der literarischen Übersetzer. Vor welchen Schwierigkeiten Übersetzer zuweilen stehen, läßt der E-mail-Wechsel zwischen Andreas Tretner und „seinem“ Autor Viktor Pelewin erahnen. Schließlich dokumentieren wir, anknüpfend an den 1984 erschienenen Band „Autoren im Haus“, die öffentlichen LCB-Veranstaltungen seit 1984.

Wir drucken Jo Kalkas Kolumne GB/US, in der er aus aktuellem Anlaß über die Benennung von Kriegen schreibt . Darüber hinaus sind zwei Neuheiten anzukündigen. Die Reihe „Auf Tritt Die Poesie“ wird fortgeführt, nunmehr von drei Anthologisten: Michael Braun widmet sich primär der deutschsprachigen Lyrik, Matthias Göritz englischen und amerikanischen Gedichten und Volker Sielaff den osteuropäischen Dichtern. Er beginnt mit dem polnischen Lyriker Piotr Sommer. Und Last but not least sei schon jetzt darauf hingewiesen, daß jene eingangs erwähnte Habilitationsschrift Walter Hölleres, großzügig unterstützt von Günter Grass, im SH-Verlag in Kürze neu aufgelegt wird.


Inhalt

Walter Höllerer zum Gedenken  
Günter Grass
Walter Höllerer nachgerufen 140
Norbert Miller Der Vogel Rock 142
Peter Rühmkorf Der Forderer 149
Bernhard Setzwein Mitten am Rand 151
   
Auf Tritt Die Poesie  
Volker Sielaff "Musik zur Bedeutung und zu den Dingen" 156
Piotr Sommer Gedichte 158
     
Joachim Kalka GB/US. Notizen (VIII) 167
     
  40 Jahre literarisches Colloquium Berlin  
Iris Radisch Von hysterischen Gästen und verständnisvollen Müttern 175
Hubert Winkels Epochale Episode 182
Helmut Böttiger 40 Jahre Sprache im technischen Zeitalter 188
Gunhild Kübler Deutsch mit Bügelfalten 194
Viktor Pelewin
Andreas Tretner
Zehn Schiffe sind ein Glas 199
  Chronologie 1984-2003 206