Nr. 184, Dezember 2007

Übersetzen und Übersetzungskultur stehen im Mittelpunkt dieses Heftes: Theoretische Beiträge von Umberto Eco, Werner von Koppenfels, Sibylle Lewitscharoff, Denis Scheck und Jürgen Trabant zum zehnjährigen Bestehen des Deutschen Übersetzerfonds. Gleich im Anschluss gehen wir in medias res: Helmut Frielinghaus schildert die Bedeutung von William Faulkner für die deutsche Nachkriegsliteratur und gibt eine Probe aus seiner gemeinsam mit Susanne Höbel besorgten Neuübersetzung von Faulkners Licht im August. Außerdem:

  • Neue Gedichte von Evelyn Schlag, Jürgen Nendza und Tadeusz Dabrowski.
  • Neue Prosa von Siegfried Mayr und Monika Radl.
  • Stefanie Kaplan analysiert den „schöpferischen Verrat“ Elfriede Jelineks an Hölderlin.
  • In Auf Tritt Die Poesie stellt Matthias Göritz den irischen Dichter Matthew Sweeney vor.
  • Zu Gast in Berlin ist Paulo Teixeira, eingeführt von Niki Graça.

Editorial

Der deutsche Buchmarkt ist einer der reichsten und vielfältigsten der Welt, in keine Sprache werden so viele Bücher übersetzt wie in die deutsche. Dass dies nicht ohne kundige, geschulte und finanziell abgesicherte Übersetzer geleistet werden kann, erklärt sich von selbst, und dennoch ist es eben erst einmal zehn Jahre her, dass diese Grenzgänger der Literatur stärker in die Literaturförderung integriert werden. Im September 1997 wurde der Deutsche Übersetzerfonds im Literarischen Colloquium Berlin gegründet. Der Übersetzerfonds ermöglicht individuelle Förderungen durch die Vergabe von Stipendien, er schafft Foren für die Fortbildung von Übersetzern und bringt die Übersetzungskunst durch Symposien, „Übersetzertage“ und andere Veranstaltungen in die öffentliche Wahrnehmung.

Das zehnjährige Bestehen des Übersetzerfonds wurde am 20. September 2007 mit einem Festakt in Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler und einem Festvortrag von Umberto Eco begangen. Am 21. September fand ein Symposion zur Übersetzungskultur statt. In diesem Heft dokumentieren wir den Vortrag von Umberto Eco sowie die Beiträge von Werner von Koppenfels, Sibylle Lewitscharoff, Denis Scheck und Jürgen Trabant. Gleich im Anschluss gehen wir in medias res und drucken ein Kapitel aus der von Susanne Höbel und Helmut Frielinghaus besorgten Neuübersetzung von William Faulkners Licht im August, die im nächsten Jahr bei Rowohlt erscheinen wird. „Mit dem Krieg im Rücken “ haben wir einen Beitrag von Helmut Frielinghaus überschrieben, der Faulkners Bedeutung für die deutsche Nachkriegsliteratur beleuchtet.

Den Anfang des Heftes aber macht die Lyrik. In Auf Tritt Die Poesie stellt Matthias Göritz den irischen Dichter Matthew Sweeney vor. Es folgen neue Gedichte der Österreicherin Evelyn Schlag, des Aacheners Jürgen Nendza und des Danziger Lyrikers Tadeusz D¹browski. In unserer Reihe Zu Gast in Berlin finden sich Gedichte des Portugiesen Paulo Teixeira, eingeleitet von seiner Übersetzerin Niki Graça.

Neue Prosa präsentieren wir von Siegfried Mayr und Monika Radl. Und die im letzten Heft begonnene neue Rubrik „Fußnoten“ füllt Stefanie Kaplan mit einem Aufsatz zu Elfriede Jelinek. Noch ein letzter Satz in eigener Sache: Da wir den Autoren freistellen, ob sie in alter oder neuer Rechtschreibung publizieren wollen, stehen beide Orthographien friedlich schiedlich nebeneinander.


Inhalt

  Auf Tritt Die Poesie  
Matthias Göritz
Pokern mit freundlicher Leiche 401
Matthew Sweeney Gedichte 403
     
  Der zweite Teil der Wahrheit –
Neue Gedichte
 
Evelyn Schlag Gedichte 412
Jürgen Nendza Tobago Jetlag 418
Tadeusz Dabrowski Gedichte 425
   
Zehn Jahre Deutscher Übersetzerfonds – Bausteine einer Übersetzungskultur  
Umberto Eco Übersetzen als Verhandeln 434
Werner von Koppenfels Der Übersetzer zwischen den Stühlen 442
Jürgen Trabant Von Kratylos zu Agamemnon 455
Sibylle Lewitscharoff Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten 468
Denis Scheck Ich soll keine Lügen erzählen 477
     
Helmut Frielinghaus Mit dem Krieg im Rücken 483
William Faulkner Licht im August 492
     
Zu Gast in Berlin  
Niki Graça Zeit in der Form eines Kreises 505
Paulo Teixeira Aus: Einstweilige Autobiographie 507
   
Siegfried Mayr Traum des Bolschewiken 516
Monika Radl Galaxie 522
     
  Fußnoten  
Stefanie Kaplan Jelineks schöpferischer Verrat an Hölderlin in Wolken.Heim 531