Nr. 185, März 2008

Zehn Jahre Berliner Autorenwerkstatt: Aus dem Nachwuchsprogramm des Literarischen Colloquiums Berlin gingen erfolgreiche Autoren wie Judith Hermann, Georg Klein, Inka Parei, Thomas von Steinäcker und Sherko Fatah hervor. In diesem Heft stellen Katja Lange-Müller und Burkhard Spinnen die Teilnehmer des zehnten Jahrgangs vor – Janine Adomeit, María Cecilia Barbetta, Patrick Findeis, Steffen Friede, Stefan Moster, Madeleine Prahs, Sascha Reh und Albrecht Selge. Joachim Kalka beginnt mit einer Essay-Reihe über Comics, Hubert Winkels befasst sich mit literarischen Umsetzungen des Wirtschaftslebens. Neue Prosa steuern Norbert Niemann und Volker Kaminski bei. Zum 70. Geburtstag von Elke Erb neue Gedichte der Autorin und eine Würdigung von Monika Rinck. In Auf Tritt die Poesie stellt Michael Braun den aus Polen stammenden Lyriker Norbert Lange vor. Zu Gast in Berlin ist Abdourahman A. Waberi, vorgestellt von Katharina Narbutovic.


Editorial

Der Anfang ist am schwersten. Das gilt auch für aufstrebende Autorinnen und Autoren. Die Literaturszene hat sich gewandelt. In den jungen Jahren der Bundesrepublik waren oft Zeitschriftenmacher, Hörspielredaktionen und Radioredakteure Kontaktpersonen, die Schriftstellern erste Schritte in den Literaturbetrieb ermöglichten, und vor allen Dingen kümmerten sich die Verlage selbst darum. Heute beginnt die Karriere oftmals bei Schreibkursen, bei Hochschulen wie in Leipzig oder Hildesheim oder in der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums in Berlin. Mit den in diesem Heft vorgestellten acht Autoren aus dem Jahr 2007 kann die „Werkstatt“ ihr zehntes Jubiläum feiern. Aus diesem Grund haben wir wieder die Leiter des ersten Kurses, Katja Lange-Müller und Burkhard Spinnen, gebeten, mit den Jungautoren konkrete Textarbeit zu leisten. Die Liste der erfolgreichen Absolventen, die in diesen zehn Jahren in der Werkstatt waren, ist lang und reicht von Judith Hermann, Georg Klein über Inka Parei bis zu Thomas von Steinäcker und Sherko Fatah, der soeben mit seinem neuen Roman Das dunkle Schiff für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Das Auswahlprinzip ist schnell geschildert: Autoren, die noch keine selbständige Buchveröffentlichung vorweisen können, dürfen sich bewerben, und aus den jeweils ca. 300 Einsendungen suchen die Werkstatttutoren sowie die Mitarbeiter des LCB die Teilnehmer aus. Stolz präsentieren wir in diesem Heft die Ergebnisse aus dem Jahr 2007.

Außerdem stellt Michael Braun in Auf Tritt Die Poesie den aus Polen stammenden, im Rheinland aufgewachsenen und in Leipzig lebenden Lyriker Norbert Lange vor. Katharina Narbutoviè bringt uns in der Kolumne Zu Gast in Berlin den letztjährigen Fellow des Berliner Künstlerprogramms des DAAD Abdourahman A. Waberi näher. Wir drucken neue Prosa von Volker Kaminski sowie einen Vorabdruck aus dem umfangreichen neuen Roman Willkommen neue Träume von Norbert Niemann, der im Herbst im Hanser Verlag erscheinen wird. Schöner Arbeiten ist ein Essay von Hubert Winkels überschrieben, der untersucht, wie Wirtschaft und Arbeitswelt in der zeitgenössischen deutschen Literatur verhandelt werden. Mit Freude geben wir bekannt, dass Joachim Kalka, der in den Heften 160 bis 174 eine Kolumne über amerikanische und britische Politik und Kultur schrieb (GB/US. Notizen), in diesem Heft den Faden sozusagen mit der anderen Hand wieder aufnimmt und mit einer Folge von Aufsätzen über vorwiegend amerikanische und britische Comics beginnt. Am Ende des Heftes gratuliert Monika Rinck Elke Erb zum siebzigsten Geburtstag. Den guten Wünschen schließen wir uns von Herzen an.


Inhalt

Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2007  
Janine Adomeit
Unvorhersehbarkeiten 5
María Cecilia Barbetta Änderungsschneiderei LOS MILAGROS 12
Patrick Findeis Kein schöner Land 18
Steffen Friede (voc) 23
Stefan Moster Die patagonische Therapie 29
Madeleine Prahs Nachbarn 34
Sascha Reh Falscher Frühling 40
Albrecht Selge Rumgehen 47
     
Auf Tritt Die Poese  
Michael Braun Mein Kopf ist ein Wespenschwamm 53
Norbert Lange Gedichte 56
Norbert Lange Fortgesetzte Quellenkunde 63
     
  Essay  
Joachim Kalka „Es ist furchtbar – Pappi hat nichts anderes im Kopf als die drei kleinen Schweinchen und wie er sie fangen kann.“ 68
Hubert Winkels Schöner arbeiten 79
     
Zu Gast in Berlin  
Katharina Narbutovic Abdourahman A. Waberi 91
Abdourahman A. Waberi In den Vereinigten Staaten von Afrika 93
   
  Erzählungen  
Norbert Niemann Willkommen neue Träume 100
Volker Kaminski Mit der Strömung 113
   
Monika Rinck Denke: Knall 121
Elke Erb Nein: Gehedder 123