Nr. 186, Juni 2008

„Stadteinsichten – Akzeptanz und Aggression in der urbanen Gesellschaft“ - unter diesem Motto berichten Marcel Beyer, Mircea Cartarescu, Rafael Chirbes, Slavenka Drakulic, Sherko Fatah, László Végel und Michal Witkowski aus Metropolen und Kleinstädten. In „Auf Tritt Die Poesie“ präsentiert Volker Sielaff den großen italienischen Dichter Edoardo Sanguineti. Zu Gast in Berlin war der türkische Romancier Nedim Gürsel, Hans Christoph Buch führt ihn ein. Aus dem Tessin hat uns Franz Wurm einen Gedichtzyklus geschickt. Ulrich Peltzer hat für seinen fulminanten Roman Teil der Lösung den Berliner Literaturpreis bekommen. Die Laudatio von Helmut Böttiger lesen Sie bei uns. Und ganz am Ende finden Sie die ersten drei Kapitel des neuen Romans von Ingo Schulze: Adam und Evelyn.


Editorial

Das städtische Leben in Europa verändert sich. In den großen Städten des alten Kontinents wohnen Menschen zahlreicher Nationalitäten Tür an Tür. Dabei stoßen nicht nur Essensgerüche aneinander, sondern auch sehr verschiedene Traditionen und, nicht zu vergessen, religiöse Praktiken und deren Intensität. Der Zustrom nach Europa scheint ungebrochen, obwohl Ausländerfeindlichkeit gepaart mit der Furcht von Islamismus zumindest zuzunehmen scheinen. Andererseits sind Ausländer gar nicht nötig, um Feindseligkeiten aufkommen zu lassen. Oftmals reichen schon verschiedene Lebensentwürfe, um eine Gesellschaft für andere unerträglich zu machen. Und schließlich gab und gibt es immer wieder Modelle, wo das Nebeneinander zu einem richtigen Miteinander geworden ist. Mit diesen Aussagen haben wir sieben Autorinnen und Autoren konfrontiert und sie gebeten, aus ihren Städten, aus ihren Lebensumständen zu berichten. Unter dem Titel „Stadteinsichten – Akzeptanz und Aggression in der urbanen Gesellschaft“ wurden die sieben Vorträge im Café Europa auf der Leipziger Buchmesse vorgetragen. Die Buchmesse und das Auswärtige Amt waren unsere Partner. In dieser Ausgabe stellen wir die Beiträge von Marcel Beyer, Mircea Cartarescu, Rafael Chirbes, Slavenka Drakulic, Sherko Fatah, László Végel und Michal Witkowski vor.

In „Auf Tritt Die Poesie“ präsentiert Volker Sielaff den großen italienischen Dichter Edoardo Sanguineti. Zu Gast in Berlin war der türkische Romancier Nedim Gürsel, Hans Christoph Buch führt ihn ein. Aus dem Tessin hat uns Franz Wurm einen Gedichtzyklus geschickt, aus dem wir einige Gedichte ausgewählt haben. Anschließend finden Leser dieser Zeitschrift alte Bekannte. Ulrich Peltzer hat für seinen fulminanten Roman Teil der Lösung den Berliner Literaturpreis bekommen. Die Laudatio auf Peltzer im Roten Rathaus in Berlin hat Helmut Böttiger gehalten, wir drucken sie hier ab. Und ganz am Ende finden Sie die ersten drei Kapitel des neuen Romans von Ingo Schulze: Adam und Evelyn.


Inhalt


Auf Tritt Die Poesie  
Volker Sielaff Polyglotter Spieler, Mystiker leiblicher Ekstase 134
Edoardo Sanguineti Gedichte 136
   
Stadteinsichten  
Marcel Beyer Die Gemalten 145
Mircea Cartarescu Im Teufelskreis der Gewalt 153
Rafael Chirbes Die Entdeckung der Stadt 163
Slavenka Drakulic Eine Geschichte über drei Städte 175
Sherko Fatah Nachbar und Schreckgespenst 188
László Végel Die Stadt und der ikonographische Krieg 197
Michael Witkowski Der Sexappeal vergangener Zeiten 210
     
Franz Wurm Aus dem Zyklus "Die Stille. Ganz" 216
   
Zu Gast in Berlin  
Hans Christoph Buch Bitte nix Polizei 219
Nedim Gürsel Sadullah Pascha und Frau Necibe 221
   
Helmut Böttiger Intensität und Sinn 226
   
Ingo Schulze Adam und Evelyn 233