Nr. 187, September 2008

Deutsches in der tschechischen Gegenwartsliteratur: Die Hamburger Übersetzerin Eva Profousová hat vier jüngere Autoren ausgewählt, in deren Werk deutsche Spuren eine Rolle spielen. Wir drucken die Texte von Radka Denemarková, Jaroslav Rudi¨, Jáchym Topol und Anna Zonová. Außerdem:

  • In „Auf Tritt Die Poesie“ stellt Michael Braun den Leipziger Dichter und Gewinner des diesjährigen Prosanova Lyrikpreises Andre Rudolph vor.
  • Christopher Schmidt würdigt die Theaterautorin Juli Zeh.
  • Das ewig junge Thema von Rausch, Droge und Literatur bearbeitet Hubert Winkels.
  • Prosa drucken wir von der Münchener Autorin Beate Meierfrankenfeld.
  • Zu Gast in Berlin war der mexikanische Romancier Guillermo Fadanelli.
  • In unserer Reihe „Fußnoten“ begründet der Tübinger Romanist Niklas Bender, warum Lesen lohnt.
  • Dazu stellen wir Gedichte des französischen Lyrikers Bernard Noël in der Übersetzung von Angela Sanmann vor.

Editorial

Nach der Überwindung der Spaltung Europas als Folge der Umbrüche von 1989 ist das Interesse vieler Autoren an Regionen in Mittel- und Osteuropa auffällig. Ob in Gedichten oder Romanen, Reiseberichten oder Essays – immer wieder gehen dort Autoren Spuren der Vergangenheit nach. Nicht nur Günter Grass‘ Masuren und Danzig ist ein Beispiel dafür, sondern auch Namen wie Hans-Ulrich Treichel, Reinhard Jirgl oder Jan Koneffke stehenfür dieses Interesse. Aber auch Gedichte etwa von Marcel Beyer oder Nico Bleutge umkreisen Themen aus der Vergangenheit im Osten. In einer kleinen Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Kulturforum östliches Europa gehen wir den umgekehrten Weg und suchen Deutsches in der tschechischen Gegenwartsliteratur. Die Hamburger Übersetzerin Eva Profousová hat vier jüngere Autoren ausgewählt, in deren Werk deutsche Spuren eine Rolle spielen. Dass solche Spurensuchen nach den Kriegen des 20. Jahrhunderts auch viel Leid und Schmerz an den Tag bringen, ist unausweichlich. Wir drucken die ausgewählten Textauszüge von Radka Denemarková, Jaroslav Rudi¨, Jáchym Topol und Anna Zonová.

Den Anfang in diesem Heft macht aber „Auf Tritt Die Poesie“. Michael Braun stellt den Leipziger Dichter und Gewinner des diesjährigen Prosanova Lyrikpreises Andre Rudolph vor. Im Anschluss findet sich die Laudatio, die Christopher Schmidt auf die Theaterautorin Juli Zeh gehalten hat, als diese Anfang Mai den erstmals vergebenen Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatiker Preis erhalten hat. Das ewig junge Thema von Rausch, Droge und Literatur hat Hubert Winkels in einem Vortrag bearbeitet, den er vor Ärzten und Pflegekräften auf Einladung der Koordinationsstelle Sucht des Landschaftsverbandes Rheinland gehalten hat. Prosa drucken wir von der Münchener Autorin Beate Meierfrankenfeld. Zu Gast in Berlin war der mexikanische Romancier Guillermo Fadanelli. In unserer unregelmäßig erscheinende Reihe „Fußnoten“ findet sich eine originelle Begründung, warum Lesen lohnt. Den Essay „Von der verpassten Möglichkeit, oder: Lektüre als Lebenskunst“ schrieb der Tübinger Romanist Niklas Bender. Dazu stellen wir Gedichte des französischen Lyrikers Bernard Noël in der Übersetzung von Angela Sanmann vor.


Inhalt

<>>

Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun Freifliegende Inkorporationen des Schönen 250
Andre Rudolph schmetterlingssäge.doc 253
Andre Rudolph Ein Brief 261
   
Christopher Schmidt Die Erfindung der Realität 263
Hubert Winkels Suchtstoff heute 270
Beate Meierfrankenfeld Aussichten 281
   
Ablagerungen  
Eva Profousová Einleitung 288
Radka Denemarková Geld vom Hitler 290
Jaroslav Rudi¨ Grandhotel 299
Jáchym Topol Supermarkt der Sowjethelden 311
Anna Zonová Zur Strafe und Belohnung 320
   
Fußnoten  
Niklas Bender Von der verpassten
Möglichkeit oder: Lektüre
als Lebenskunst
329
   
Bernard Noël An den Garten in Tusche 342
   
Zu Gast in Berlin  
Guillermo Fadanelli Morast 349