Nr. 189, März 2009

Kurze Erzählungen, die nahe fremde Welten erschaffen; Romanauszüge, die von Beziehungsentwürfen, Verletzungen und Möglichkeiten des Erinnerns erzählen; Texte, die mit Perspektiven und Stimmen spielen: Unter der Leitung der Schriftstellerin Ulrike Draesner und Thorsten Dönges vom LCB wurden in der Berliner Autorenwerkstatt 2008 Themen und Formen sehr unterschiedlicher Prosaprojekte diskutiert. Texte von Aljoscha Brell, Daniela Dröscher, Anne-Kathrin Heier, Michaela Heissenberger, Lars Popp, Werner Rohner, Martin Rose, Gerhild Steinbuch und Kai Wiegandt. Außerdem:

  • In unserer Rubrik Fußnoten erkundet Roland Berbig die niederbayerischen Jahre des großen Lyrikers, Prosaisten und Hörspielautors Günter Eich.
  • Von Bayern geht es weiter nach Sachsen zu Ulrike Almut Sandig, die in Auf Tritt Die Poesie erklärt, was es mit dem „Streumen“ auf sich hat.
  • In der Abteilung Zu Gast in Berlin gibt es Texte der schwedischen Autorin Lotta Lotass zu entdecken.

Editorial

Ein ewig junger Streitpunkt im literarischen Leben ist die Frage, ob man das Schreiben lehren kann. Die Frage ist schnell entschärft, wenn man sie ein wenig umformuliert, etwa dahingehend, ob man Texte hinterfragen, lektorieren oder redigieren kann. Wird die Frage so gestellt, ist die Antwort dann auch schnell gegeben. Das kann man natürlich, und das sind im Wesentlichen die Techniken, die in der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums angewandt werden. Für die letztjährige Autorenwerkstatt gingen wieder einige hundert Bewerbungen von meist jungen Autoren aus dem ganzen deutschsprachigen Raume ein, die noch keine eigenständige Publikation vorweisen können. Neun Autorinnen und Autoren wurden schließlich ausgewählt und nahmen im Herbst 2008 an der Autorenwerkstatt Prosa teil. In dieser Ausgabe stellen wir ihre Projekte mit je einer Kurzbeschreibung und in Textauszügen vor. Kurze Erzählungen, die nahe fremde Welten erschaffen; Romanauszüge, die von Beziehungsentwürfen, Verletzungen und Möglichkeiten des Erinnerns erzählen; Texte, die mit Perspektiven und Stimmen spielen: Unter der Leitung der Schriftstellerin Ulrike Draesner und Thorsten Dönges vom LCB wurden auch in dieser Werkstatt wieder Themen und Formen sehr unterschiedlicher Prosaprojekte diskutiert, die eines gemeinsam haben, denn sie alle begreifen Literatur als Kunst und machen neugierig auf das, was von ihren Verfassern hoffentlich in Zukunft noch zu lesen sein wird.

In unserer unregelmäßig erscheinenden Rubrik Fußnoten erkundet der Berliner Literaturwissenschaftler Roland Berbig die niederbayerischen Jahre des großen Lyrikers, Prosaisten und Hörspielautors Günter Eich. Geboren im brandenburgischen Lebus an der Oder, hat es Eich nach dem Krieg nach Geisenhausen verschlagen, auf halbem Weg zwischen Landshut und Vilsbiburg gelegen. Roland Berbig eröffnete mit dem hier abgedruckten Aufsatz Am Rande der Welt die 12. Landshuter Literaturtage am 8. November 2008.

Von Bayern geht es weiter nach Sachsen zu Ulrike Almut Sandig, die in Auf Tritt Die Poesie erklärt, was es mit dem „Streumen“ auf sich hat. Ulrike Almut Sandig, die schon mit einigen Lyrikpreisen wie zum Beispiel dem Meraner ausgezeichnet wurde, wird von Michael Braun vorgestellt. In der Abteilung Zu Gast in Berlin gibt es Texte der schwedischen Autorin Lotta Lotass zu entdecken.


Inhalt


Berliner Autorenwerkstatt
Prosa 2008
 
Aljoscha Brell Kress 4
Daniela Dröscher Ventimiglia di Sicilia 14
Anne-Kathrin Heier Koma Keflavík 22
Michaela Heissenberger Meine anderen Leben 32
Lars Popp Hotline Hotel 41
Werner Rohner Augenfarbe geschlossen 51
Martin Rose Amnesia orange 61
Gerhild Steinbuch Berge und Täler mit Männern und Frauen 71
Kai Wiegandt Ausfall 80
   
Fußnoten  
Roland Berbig Am Rande der Welt 91
     
  Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun Beten, murmeln, streumen 110
Ulrike Almut Sandig 341 253 487 6. Rufzeichen 112
Ulrike Almut Sandig Gedichte 114
   
Zu Gast in Berlin  
Lotta Lotass Aus: Die weiße Erde 120