Nr. 190, Juni 2009

20 Jahre nach dem Ende der Teilung des europäischen Kontinents haben wir sechs europäische Autoren gebeten, sich (in Anlehnung an die berühmte Streitschrift von Karl Jaspers über die Bundesrepublik) der Frage „Wohin treibt Europa?“ zu stellen: Geert Mak aus den Niederlanden, György Konrád aus Budapest, Ivana Sajko aus Zagreb, Taras Prochasko aus Iwano-Frankiwsk in der Ukraine, den Slowaken Michal Hvorecky sowie den in der Türkei geborenen, in München aufgewachsenen und in Kiel lebenden Feridun Zaimoglu. Außerdem:

  • Neue Prosa gibt es von Jürgen Theobaldy zu lesen und ein Romankapitel von Thomas von Steinaecker.
  • Gedichte des ungarischen Dichters László Bertók stellt uns Volker Sielaff in Auf Tritt Die Poesie vor.
  • Außerdem kann man eine neue Dichterin aus Zürich kennenlernen: Anne-Marie Kenessey.
  • Zu Gast in Berlin ist die französischen Dichterin Michèle Métail.

Editorial

Wohin treibt die Bundesrepublik? Tatsachen, Gefahren, Chancen. So hieß die berühmt gewordene Streitschrift, die Karl Jaspers am Vorabend der unruhigen 68er Zeit, im Jahr 1966, veröffentlicht hat. 20 Jahre nach dem Ende der Teilung des europäischen Kontinents haben wir in Anlehnung an Jaspers sechs europäische Autoren gebeten, sich der Frage „Wohin treibt Europa?“ zu stellen. Die sechs Autoren waren Gast der Leipziger Buchmesse, wo sie ihre Essays dem Publikum vorstellten und darüber hinaus ihre letzten Bücher vorstellen konnten. Die Gäste in Leipzig waren Geert Mak aus den Niederlanden, György Konrád aus Budapest, Ivana Sajko aus Zagreb, Taras Prochasko aus Iwano-Frankiwsk in der Ukraine, der Slowake Michal Hvorecky sowie der in der Türkei geborene, in München aufgewachsene und in Kiel lebende Feridun Zaimoglu. Interessant ist es, wie unterschiedlich die sechs ihr Europa beschreiben, bewerten, erleben. Bei Geert Mak wirft die große Krise ihre Schatten voraus. Skepsis, um das mindeste zu sagen, findet sich im Beitrag Feridun Zaimoglus, wohingegen die Freude über das Erreichte bei Konrád im Vordergrund steht. Reale Szenen aus dem gaslosen Winter in Bratislava schildert Hvorecky. Eher resigniert klingen die Beiträge von Ivana Sajko und Taras Prochasko, die beide aus Ländern kommen, die noch nicht zur EU gehören. Aber lesen Sie selbst!

Neue Prosa, Kalendergeschichten, gibt es von Jürgen Theobaldy zu lesen und ein Romankapitel vom Comic-Spezialisten Thomas von Steinaecker, diesmal aber ganz ohne Zeichnungen.

Gedichte des ungarischen Dichters László Bertók stellt uns Volker Sielaff in Auf Tritt Die Poesie vor. Außerdem kann man eine neue Dichterin aus Zürich kennenlernen: Anne-Marie Kenessey. Lyrisches drucken wir dieses Mal auch in unserer DAAD-Abteilung Zu Gast in Berlin. Eingeführt von Herbert Wiesner bringen wir eine längere Passage aus Weg. Fünf Füße breit der französischen Dichterin Michèle Métail in der fabelhaften Übersetzung von Ulrike Draesner.

 


Inhalt

Jürgen Theobaldy Kalendergeschichten 135
Thomas von Steinaecker Das verbrannte Dorf 148
     
  Auf Tritt Die Poesie  
Volker Sielaff Lyrische Protokolle über das Altern 153
László Bertók Gedichte 155
     
Anne-Marie Kenessey Gedichte 162
   
Wohin treibt Europa?  
Michal Hvorecky Wozu wir leben, wozu wir leiden 168
György Konrád Wohin treibt Europa? 174
Geert Mak The Dinner is over 191
Taras Prochasko Die Kunst Großvater zu sein 201
Ivana Sajko Rezept für einen trockenen Martini 208
Feridun Zaimoglu Volkes Gesänge 219
   
Zu Gast in Berlin  
Herbert Wiesner Zu Michèle Métrail 227
Michèle Métail Weg, fünf Füße breit 229