Nr. 194, Juni 2010
Erst die Bankenkrise, dann die Schuldenkrise ganzer Staaten und eine Leitwährung, die ins Rutschen geraten ist: Sechs Krisenbegleittexte aus Russland, Litauen, Bulgarien, Island, Ungarn und Deutschland bilden den Schwerpunkt dieses Heftes.
- Aber auch die Lyrik ist wieder prominent vertreten: mit Lutz Seiler, der polnischen Dichterin Julia Hartwig (in »Auf Tritt Die Poesie« vorgestellt von Volker Sielaff) und dem Ukrainer Serhij Zhadan.
- Einen Erzähler von internationaler Strahlkraft stellen wir einmal mehr mit einer neuen Geschichte vor: Ingo Schulze.
Editorial
Island, Irland, Lettland, jetzt Griechenland und vielleicht bald Portugal, Spanien und Italien: das ist die stetig länger werdende Liste von Staaten, die zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind – oder befürchten, bald dahin zu gelangen. Andererseits schien die Bankenkrise, die mit dem Untergang der New Yorker Investment Bank Lehman Brothers ihren Anfang nahm, ihren Schrecken langsam zu verlieren. Als wir im Herbst letzten Jahres sechs Autorinnen und Autoren aus sechs Ländern, die auf die eine oder andere Weise von der Krise betroffen waren, anfragten, einen Essay unter dem Titel „Krise! Welche Krise?“ zu verfassen, hatte kaum jemand im Blick, dass eine Leitwährung ins Rutschen geraten könnte. In den eingehenden Texten wurde aber deutlich, wie unterschiedlich die Bedrohungen in den einzelnen Staaten wie Russland, Litauen, Bulgarien, Island, Ungarn und Deutschland eingeschätzt werden. Diese Krisenbegleittexte bilden den Schwerpunkt dieses Heftes.
Aber auch die Lyrik ist dieses Mal wieder prominent vertreten. Gleich auf den ersten Seiten drucken wir neue Gedichte des aus Thüringen stammenden und in der Mark lebenden Lutz Seiler, der im letzten Herbst einen fulminanten Start als Erzähler hatte. Einen anderen Erzähler von internationaler Strahlkraft stellen wir einmal mehr mit einer neuen Geschichte vor: Ingo Schulze. Er war mit seiner Familie ein Jahr lang Gast in der Villa Massimo und dort und im Nachgang entstand eine ganze Sammlung italienischer Erzählungen von denen er uns eine, „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“, zum Abdruck überließ. In unseren Kolumnen „Auf Tritt Die Poesie“ und „Zu Gast in Berlin“ wird es wieder lyrisch, auch wenn die Tonlage der beiden kaum unterschiedlicher sein könnte. Volker Sielaff bringt uns die 1921 in Lublin geborene Julia Hartwig näher. Zu Gast in Berlin ist der ukrainische Dichter Serhij Zhadan.
Auf Tritt die Poesie
Volker Sielaff Es lebe der WiderspruchJulia Hartwig Gedichte
Leseproben
Lutz Seiler GedichteAndri Snær Magnason Eine krasse Zeit
Inhalt
| Lutz Seiler | Gedichte | 146 |
| Ingo Schulze | „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ | 158 |
| Krise! Welche Krise? |
||
| Eugenius Ali¨anka | Eine Lektion in Sachen Wirtschaft | 176 |
| Friedrich Christian Delius | Berufsverbot für Betriebswirte! | 193 |
| László F. Földenyi | Von Krise zu Krise | 204 |
| Georgi Gospodinov | Die Geschwindigkeit der Seele | 216 |
| Natalja Kljutscharjowa | Schuld sind immer die anderen | 227 |
| Andri Snær Magnason | Eine krasse Zeit | 240 |
| Auf Tritt Die Poesie | ||
| Volker Sielaff | Es lebe der Widerspruch | 250 |
| Julia Hartwig | Gedichte | 252 |
| Zu Gast in Berlin | ||
| Serhij Zhadan | Die Bastion der Aufrechten | 260 |


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