Nr. 197, März 2011

Paula Coulin, Katharina Hartwell, Vea Kaiser, Anne Krüger, Malte Lamprecht, Tobias Roth, Philipp Schönthaler, Eva Ruth Wemme: Die acht jungen Autoren der Berliner Autorenwerkstatt 2010 präsentieren ihre Arbeiten – und zeigen, wie verschieden nach wie vor erzählt wird: historische Stoffe, ein Künstlerroman, Familienromane und ein moderner Heimatroman. Außerdem: Lyrik von Sandra Trojan („Auf Tritt Die Poesie“), Àxel Sanjosé und dem Dmitri Golynko, unserem „Gast in Berlin“. In den „Fußnoten“ lädt Lilian Noetzel zur Lektüre des großen Daniil Charms ein.

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Editorial

Für viele Autoren ist der Ort ihrer ersten Publikation eine Literaturzeitschrift. Sie werden in diesem Rahmen erstmals als Autoren behandelt – und nehmen sich selbst erstmals als Schriftsteller wahr. Für das Literarische Colloquium Berlin, das seit seiner Gründung immer junge Autoren gefördert hat und schon in den sechziger Jahren eine Schreibwerkstatt durchführte, ist diese Zeitschrift nicht zuletzt deshalb ein integraler Teil Bestandteil seiner Arbeit, um so Auszüge der Stipendiaten unserer jährlichen Autorenwerkstatt Prosa in „Sprache im technischen Zeitalter“ zu drucken und sie so einem größeren Leserkreis vorzustellen. Die Werkstatt 2010 fand an mehreren Herbstwochenenden statt. Unter der Leitung von Ursula Krechel und Marcel Regenberg diskutierten die Teilnehmer ihre Manuskripte und bearbeiteten sie. Jeder Autor, jede Autorin durfte sich einen Gast wünschen, um den eigenen Text zu präsentieren, und so waren unter anderem die Autoren Katharina Hacker, Kathrin Röggla, Esther Kinsky, Norbert Zähringer und Zsuzsa Bank, die Verleger Andreas Rötzer (Matthes und Seitz) und Daniel Beskos (mairisch) sowie der Kunsthistoriker Klaus Krüger von der Freien Universität Berlin Gast in der Autorenwerkstatt. Die hier vorgestellten Textauszüge der acht Teilnehmer beweisen einmal mehr, wie verschieden nach wie vor erzählt wird: Es finden sich historische Stoffe, ein Künstlerroman, Familienromane und ein moderner Heimatroman. Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele aus dem Jahrgang 2010 einen Verlag finden würden, so wie die oben erwähnten Zsuzsa Bank und Norbert Zähringer, die einst auch Teilnehmer der Autorenwerkstatt Prosa gewesen sind. Dank sei hier nicht nur den Leitern und den Teilnehmern gesagt, sondern auch dem Berliner Senat, der die Werkstatt seit ihrem Bestehen fördert.

In unserer Rubrik „Auf Tritt Die Poesie“ stellen wir junge Lyriker vor. Dieses Mal präsentiert Michael Braun die aus dem Sauerland stammende Sandra Trojan. Auch Àxel Sanjosé, dessen neue Gedichte wir bringen, wurde schon vor einigen Jahren einmal in „Auf Tritt Die Poesie“ vorgestellt. Auch in der Kolumne „Zu Gast in Berlin“, in der wir Autoren präsentieren, die vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD nach Berlin eingeladen wurden, steht ein Lyriker im Zentrum: der St. Petersburger Dmitri Golynko. Eugene Ostashevsky, gebürtiger Leningrader und gelernter Brooklyner, führt in sein Werk ein. Wir bleiben in Russland: In den „Fußnoten“ lädt Lilian Noetzel zur Lektüre des großen Daniil Charms ein.


Inhalt

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Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun Wenn ich in Bienen spreche 4
Sandra Trojan Gedichte 6
Johanna Hemkentokrax
Sandra Trojan
Wechselwirkungen 13

   

Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2010  
Paula Coulin Jans Mär 17
Katharina Hartwell Schwund 26
Vea Kaiser Fronleichnam 32
Anne Krüger Zwischenwelt 41
Malte Lamprecht Bildbetrachtung 53
Tobias Roth Der Tod des Giorgione 64
Philipp Schönthaler the perfect mistery cannot be written 74
Eva Ruth Wemme VII (Die Lebenden) 82

   
Àxel Sanjosé Gedichte 93

   

Fußnoten  
Lilian Noetzel Das Absurde, die Melancholie, der Hunger in der Prosa von Daniil Charms 105

   

Zu Gast in Berlin  
Eugene Ostashevsky Dmitri Golynko als russischer Dichter von heute 115
Dmitri Golynko Gedichte 118
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