Nr. 203, Oktober 2012

 

Das dritte Heft im fünfzigsten Jahr von Sprache im technischen Zeitalter bringt im Faksimile nachgelassene Gedichte ihres Gründers Walter Höllerer, hier erstmals publiziert und von Dieter M. Gräf mit einer Einführung versehen, dazu die Walter-Höllerer-Vorlesung 2012 von Joachim Sartorius. Ursula Krechel und Ernst-Wilhelm Händler fragen, inwieweit Literatur „die Gegenwart mitschreiben“ kann. Gedichte von Tadeusz Dąbrowski und Mara Genschel (in Auf Tritt Die Poesie vorgestellt von Michael Braun), Prosa von Constantin Göttfert und Michail Schischkin. Jörg Plath führt in Péter Nádas’ Jahrhundertroman Parallelgeschichten ein, und Michael Magercord spricht mit griechischen Autoren über Poesie und Krise. Mit Interjektionen und anderen sprachlichen Minima sowie der Frage ihrer Übersetzbarkeit befasst sich Joachim Kalka. 

 

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Editorial

„Die Gegenwart mitschreiben?“ hieß ein Schriftstellertreffen, das Ende April im LCB stattfand. Rund zwanzig Autoren diskutierten Möglichkeiten und Grenzen der Literatur, sich aktuellen Entwicklungen der Gesellschaft zu widmen. Ein Teil der Kritik fordert regelrecht den Roman zur Wende, den aktuellen Berlinroman, den Roman zur Finanzkrise oder zumindest die literarische Reportage zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Werden solche Versuche jedoch unternommen, rührt sich der andere Teil der Kritik und stellt umgehend das Scheitern der jeweiligen Versuche fest. Wir drucken hier zwei Beiträge, die für die Tagung wichtig waren. Ursula Krechel verfasste einen Vortrag – ursprünglich für eine Tagung des Grenzgängerprogramms der Robert Bosch Stiftung –, in dem sie über ihre Rechercheerfahrungen berichtet. Ernst-Wilhelm Händler, der die Tagung angeregt hatte, schrieb einen Beitrag, den er mit dem Titel „Die Ökonomisierung der Gesellschaft und die erzählende Literatur“ versah.

Die Gegenwart mitschreiben könnte auch ein Motto für jede literarische Zeitschrift sein, also auch für diese. Das dritte Heft im fünfzigsten Jahr beginnen wir noch einmal mit dem Gründungsherausgeber Walter Höllerer. Wir drucken im Faksimile Gedichte Walter Höllerers aus dem Nachlass. Dieter M. Gräf führt in die Gedichte ein und weist ihnen ihre literaturgeschichtliche Bedeutung zu. Außerdem drucken wir die Walter-Höllerer-Vorlesung, die Joachim Sartorius am 3. Juli 2012 in der TU Berlin zum Anlass 50 Jahre Sprache im technischen Zeitalter gehalten hat. Gedichte drucken wir von Tadeusz Dąbrowski in der Übersetzung von Renate Schmidgall, und in unserer Abteilung Auf Tritt Die Poesie präsentiert Michael Braun Mara Genschel. Neue Prosa stellen wir von Constantin Göttfert und von Michail Schischkin vor. Schischkin ist zur Zeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Schließlich drucken wir eine Einführung von Jörg Plath in den Jahrhundertroman Parallelgeschichten. Michael Magercord hat sich mit drei griechischen Autoren über die Krise und die Poesie unterhalten – und last but not least findet sich ein Aufsatz von Joachim Kalka über Interjektionen und andere sprachliche Minima und die Frage ihrer Übersetzbarkeit.


Inhalt

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  Maß nehmen an Höllerer  
Dieter M. Gräf Erkundungen innerhalb und außerhalb der Maschine ja und nein 264
Walter Höllerer Gedichte aus dem Nachlass 270
Joachim Sartorius Poesie im Sinkflug 282
     
Tadeusz Dabrowski Gedichte

296

     
  Die Gegenwart mitschreiben?  
Ursula Krechel Vom Reisen und Hingerissensein 203
Ernst-Wilhelm Händler Die Ökonomisierung der Gesellschaft und die erzählende Literatur 314
     
Constantin Göttfert Durch die Fliege betrachtet 321
Constantin Göttfert Im Hotelzimmer 322
Constantin Göttfert Im Zug 325
   
Jörg Plath Péter Nádas, Parallelgeschichten 330
Joachim Kalka Hoppla …! 337
Michael Magercord Poesie der Schulden 356
   
Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun Blick in den vokalischen Spiegel 364
Mara Genschel Gedichte 367
Mara Genschel referenzflaeche.wordpress.com 373
   
Zu Gast in Berlin  
Michail Schischkin Briefsteller 376
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