Nr. 205, März 2013

Zehn neue Autorinnen und Autoren sind zu entdecken. Die Teilnehmer der Berliner Autorenwerkstatt Prosa werden in diesem Heft vorgestellt. Ein Schwerpunkt der Texte war in diesem Jahr das Miteinander der Künste im Text: Welche Möglichkeiten hat die Literatur ein Musikstück nachzubilden? Wie verändert sich ein Text durch die Wiedergabe von Photographien oder durch eingearbeitete Bildbeschreibungen? Und wie wird ein Text damit fertig, dass sein Protagonist ein zu Extremen neigender Installationskünstler ist? Aber auch die Arbeitswelt ist Thema in den zu entdeckenden Texten.

 

  • Außerdem: Zu »ihrem« Deutsch äußern sich María Caecilia Barbetta, Nora Bossong, Sherko Fatah und Selim Özdoğan.
  • In Auf Tritt Die Poesie stellen wir dieses Mal Marcus Roloff vor.
  • Dirk Rose schreibt über den Lyriker Lutz Seiler.
  • Die Reihe Zu Gast in Berlin präsentiert Samanta Schweblin.

 


Editorial

Ein fester Bestandteil des Jahreslaufs im Literarischen Colloquium sind die Werkstätten: Die Übersetzerwerkstatt und die Autorenwerkstatt Prosa. Die Frage, ob man Schreiben lernen, oder anders gesagt, lehrbar ist, kann man mittlerweile als beantwortet ansehen. Nein, zunächst braucht es Begabung, Talent und den festen Willen dazu. Ohne geht es nicht, aber dann kann man lernen professionell mit seinem eigenen Text umzugehen. Und genau das haben die zehn Autorinnen und Autoren gemacht, die im Herbst 2012 an der Autorenwerkstatt Prosa des LCB teilgenommen haben – geleitet wurde die Werkstatt von Ulrike Draesner und Thorsten Dönges. Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahrgang auf dem Miteinander der Künste im Text: Wie könnte ein Roman aussehen, der mit den Möglichkeiten der Literatur ein Musikstück nachbildet? Wie verändert sich ein Text durch die Wiedergabe von Photographien oder durch eingearbeitete Bildbeschreibungen? Und wie wird ein Text damit fertig, dass sein Protagonist ein zu Extremen neigender Installationskünstler ist? Ein zweites wichtiges Thema der Werkstattgespräche waren Texte, die sich mit dem Alltag der Arbeitswelt auseinandersetzen, mit dem ganz normalen Wahnsinn des Luxusimmobiliengewerbes etwa und dem Mit- und Gegeneinander in einem IT-Unternehmen. Um das Erwachsenwerden in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche ging es und um die Suche nach vergangener Liebe, die durch eine Beziehung geistert. Und schließlich um hybride Textformen und den gesellschaftlichen und privaten Umgang mit diversen Utopien.

„Mein Deutsch“ ist ein vom Auswärtigen Amt geförderten Projekt, das deutsche und in Deutschland lebende Autoren an Universitäten in den Vereinigten Staaten vermittelt. Die erste Gruppe ist in diesem Februar an der amerikanischen Ostküste unterwegs. Zu „ihrem“ jeweiligen Deutsch haben die vier Autorinnen und Autoren geschrieben: Maria Cecilia Barbetta, Nora Bossong, Sherko Fatah und Selim Özdogan. Wir drucken die Beiträge in diesem Heft.

In Auf Tritt Die Poesie stellen wir dieses Mal Marcus Roloff vor. Neben der Einführung von Michael Braun finden sich Gedichte Roloffs sowie ein poetologisches Gespräch mit Lothar Quinkenstein. Im Anschluss schreibt Dirk Rose über den Lyriker Lutz Seiler. Den Abschluss des Heftes bildet Zu Gast in Berlin. Dieses Mal stellen wir die ebenfalls aus Buenos Aires stammende Erzählerin Samanta Schweblin vor, die 2012 Gast des Berliner Künstlerprogrammes des DAAD war.


Inhalt

  Autorenwerkstatt
Prossa 2012
 
Franziska Angermann Der eigentliche Wollaffe 4
Franz Friedrich Die Lapplandameisen 11
François Grosso beklemmt 18
Istvan Gyöngyösi "Chaostage" 25
Lilian Loke Hahnenfedern 32
Gianna Molinari Von hier aus gut sichtbar

38

Annette Pussert Nord-Nord-Ost 47
Anne Reinecke Leinsee 53
Jana Schroeter Betty – eine Novelle 60
Oleg Zhukov Hunde in der Straßenbahn 67
     
  Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun Mein nicht geschnittener Blick 73
Marcus Roloff Gedichte 75
Lothar Quinkenstein
Markus Roloff
Heikle Dichotomien. Ein Gespräch 82
     
  Mein Deutsch  
Maria Cecilia Barbetta Eine Geistergeschichte 86
Nora Bossong Was das Nilpferd in der Depesche sucht 92
Sherko Fatah Mein Deutsch 96
Selim Özdogan Klingt doch gut 98
     
  Fußnoten  
Dirk Rose "im felderlatein" und Niemandsland 104
     
  Zu Gast in Berlin  
Samantha Schweblin Olingris 115
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