Nr. 207, September 2013

Zoran Ferić (Kroatien), Christos Ikonomou (Griechenland), John Lanchester (Großbritannien), Davide Longo (Italien), Eva Menasse (Österreich) und Gonçalo M. Tavares (Portugal) schildern ihre "Wahrnehmungen zu Deutschland".

Außerdem: Norbert Miller und Karl Riha blicken auf die ersten Jahre Walter Höllerers in Berlin. Volker Klotz schreibt über George Tabori. Ferner ein langes Gedicht von Tobias Roth. Zu Gast in Berlin ist der Ungar István Kemény. Und in Auf Tritt Die Poesie präsentiert Michael Braun die Dichterin Katharina Schultens. 

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Editorial

Seit dem Jahr 2000 organisieren die Leipziger Buchmesse und das LCB mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes das Autorenspecial auf der Leipziger Buchmesse. Meist laden wir sechs Autoren aus ganz Europa ein, zu einem in der Luft liegenden Thema einen Vortrag zu verfassen.

Das erste lautete einst „Wahrnehmungen zu Deutschland“. In der vierzehnten Auflage des Programms, luden wir unter dem Titel „Deutschlandbilder“ zu einer ähnlichen Frage ein, denn das Bild Deutschlands im Ausland scheint einem ständigen Wandel zu unterliegen. Nach 1989 hörte man besorgte Stimmen, die fürchteten, Deutschland könnte nach seiner Vereinigung wieder zu einem Unruheherd in der Mitte Europas werden. Durch die Einbindung Deutschlands in die EU schien diese Gefahr gebannt zu sein. Nach der erfolgreichen und locker durchgeführten Fußballweltmeisterschaft 2006 gab es verblüffte Gesichter, weil die Deutschen plötzlich als liebenswerte Gastgeber aufgetreten waren – sogar das Wetter war gut, und die deutsche Elf gab sich mit dem dritten Platz zufrieden. Mit der Eurokrise veränderte sich das Bild wieder, und jetzt scheint das wirtschaftlich starke Land in der Mitte der Union der strenge, aber nervige Musterschüler zu sein, der zwar von der EU profitieren will, aber kleinlich darüber wacht, nur ja nicht zu viel Geld für die Nöte der wirtschaftlich schwächeren Staaten bezahlen zu müssen.

Wir baten die Autoren Zoran Ferić (Kroatien), Christos Ikonomou (Griechenland), John Lanchester (Großbritannien), Davide Longo (Italien), Eva Menasse (Österreich) und Gonçalo M. Tavares (Portugal) um einen Vortrag und luden sie zu einer Lesung auf die Leipziger Buchmesse ein. Die entstandenen Essays drucken wir in diesem Heft.

Das fünfzigjährige Jubiläum des LCB geht auch an diesem Heft nicht spurlos vorbei. Norbert Miller führt einen Beitrag von Karl Riha ein, in dem beide auf die ersten Jahre Walter Höllerers in Berlin zurückblicken. Mit Volker Klotz ist noch ein weiterer Literaturwissenschaftler aus dem Umfeld Walter Höllerers in diesem Heft vertreten. In einem Vorabdruck schickte er uns einen Aufsatz über George Tabori.

Zu Gast In Berlin ist der Ungar István Kemény. Und in Auf Tritt Die Poesie präsentiert Michael Braun die Dichterin Katharina Schultens. Von Tobias Roth drucken wir ein langes Gedicht, das das große Erdbeben in der Emilia-Romagna am 20. Mai 2012 thematisiert: Mantuanischer Riss. 

 


Inhalt

  Deutschlandbilder  
Zoran Feric Deutschland in Farbe und Schwarz-Weiß 278
Christos Ikonomou Wie Eva und die Gottesmutter 289
John Lanchester Made in Germany 295
Davide Longo Die hellblaue Badehose und andere italienisch-deutsche Angelegenheiten 308
Eva Menasse Raus aus dem Quadrat 316
Gonçalo M. Tavares Kultur und Zeitgeist

325

     
  50 Jahre LCB – Inmitten der Literatur II  
Norbert Miller Walter Höllerers frühe Berliner Jahre 336
Karl Riha alias Hans Wald Colloquitabel - aus aktuellem Anlass 341
     
  Auf Tritt Die Poesie  
Michael Braun Ich war Teil keiner Kalkulation 350
Katharina Schultens Gedichte 353
Katharina Schultens hysterie ist eine option 360
     
Tobias Roth Mantuanischer Riss 363
Volker Klotz George Tabori 369
     
  Zu Gast in Berlin  
István Kemény Abschiedsbrief an die Heimat 388
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