Nr. 209, März 2014


Editorial

Michael Krüger hat in den letzten Jahrzehnten wie kaum ein zweiter das literarische Leben dieses Landes mitbestimmt. Im Dezember des letzten Jahres konnte er seinen 70. Geburtstag feiern und zum Ende des Jahres verließ er den Carl Hanser Verlag, für den er über 40 Jahre tätig war. Wir drucken einen Geburtstagsgruß der Herausgeber und der Redaktion, sowie Michael Krügers Marbacher Schiller-Rede vom November 2013, in der er nicht nur auf die Ästhetischen Schriften Schillers eingeht, sondern vor allem auch von seinem Werdegang erzählt. Wie bei vielen, die ihren Brotberuf in der Literaturwelt gefunden haben, kommt das eigene Schreiben – auch in der Wertschätzung der andern – häufig zu kurz. Warum das gerade bei Michael Krüger schade ist, lässt sich in dieser Ausgabe anhand von neuen Gedichten des Jubilars nachlesen.

Aber den Schwerpunkt des ersten Heftes eines neuen Jahrgangs bildet traditionell die junge und jüngste Literatur. Pünktlich zur Leipziger Buch- messe präsentieren wir auch dieses Jahr die Teilnehmer der „Berliner Auto- renwerkstatt Prosa“. In den letzten Jahren war es Aufnahmebedingung für die Werkstatt, noch keine eigene Publikation veröffentlicht zu haben, 2013 dagegen mussten die Bewerber bereits eine eigenständige Veröffentlichung vorweisen können. Für viele Autorinnen und Autoren ist das zweite Buch eine besondere Hürde. Zehn Autorinnen und Autoren haben an der letztjährigen Werkstatt, die von der Schriftstellerin Ulrike Draesner und Thorsten Dönges (LCB) geleitet wurde, teilgenommen. Wir drucken Texte aus den neuen Buchvorhaben. Ulrike Draesner hat für dieses Heft zu jedem Beitrag einen kurzen Text als Vorspann verfasst.
Eine Premiere auch in unserer Kolumne „Auf Tritt Die Poesie“, in der Michael Braun den Berliner Lyriker Christian Filips vorstellt. Wir veröffentlichen die Gedichte innerhalb des E-Mail-Verkehrs zwischen Michael Braun und Christian Filips. Dies erlaubt – sozusagen – einen Blick in die Herausgeberwerkstatt. Und schließlich dreht sich im letzten Beitrag dieses Heftes alles um einen Dichter. Marcel Beyer schreibt über Thomas Kling und New York.
In eigener Sache: Der langjährige Redakteur dieser Zeitschrift, Thomas Geiger, firmiert ab diesem Heft auch als Herausgeber von Sprache im technischen Zeitalter.


Inhalt

­­­
­Michael Krüger zum 70. Geburtstag­  
Gratulation 4
Michael Krüger Schiller-Rede 10­
Michael Krüger Neue Gedichte 29
 
­Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2013­  
Carsten Kluth Der Hungerverlust 35
Hanna Lemke Pärchenabend 43
Maxi Obexer Vermächtnis der Tiere­ 49­
Ulrike Almut Sandig Geburtstagsgeschichte 56
Florian Scheibe er, sie, es 65­
Tobias Schwartz Stadt unter 73
Lisa-Maria Seydlitz Eulen 81
Nellja Veremej August 87
Roman Widder Die Wiegemaschine­ 95
Andreas Martin Widmann Erlösung 102
 
Auf Tritt Die Posie
Michael Braun Dunckler Enthusiasmo, Helle Poesie 110
Christian Filips / Michael Braun Ins Offene gehen 112
Marcel Beyer Thomas Kling: New York State of Mind 123­
­ ­­­­­