Nr. 211, September 2014


Editorial

Gedenktage gehören eigentlich nicht zum Kerngeschäft von Literaturzeit- schriften. Aber keine Regel ohne Ausnahme. In diesem Jahr 2014, in dem 100 Jahre nach seinem Ausbruch dem 1. Weltkrieg flächendeckend ge- dacht wird, und schließlich 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereini- gung 1989 wollen auch wir uns der Faszination der runden Zahl nicht verschließen. Als Ergänzung zum im März erschienenen Sonderheft die- ser Zeitschrift „Souveräne Brückenbauer. 60 Jahre Verband der Literatur- übersetzer (VdÜ)“ drucken wir in diesem Heft eine umfangreiche Recher- che von Eveline Passet, die ein deutsch-deutsches Treffen von literarischen Übersetzern russischer Literatur im Europäischen Übersetzerkollegium in Straelen in vielen Einzelstimmer wieder lebendig werden lässt. Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist es ein Dokument über deutsch-deutsche Verkrampftheiten, deutsch-deutsche Entspanntheiten und ein spannender Einblick wie bundesrepublikanische und DDR-Verlage, teils auf Kosten der Übersetzer, kooperierten. Roland Berbig, Literaturwissenschaftler an der Humboldt Universität in Berlin, blickt auf das Jahr 1914 und unternimmt literarisch-kulturelle Streifzüge durch das erste Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs. Das Heft beginnt aber mit neuester Prosa. Wir blicken in die Werkstatt von zwei Berliner Romanciers: Ulrich Peltzer und Katja-Lange Müller und präsentieren jeweils einen Ausschnitt aus entstehenden Romanen. Prosa drucken wir auch von zwei ungarischen Autorinnen, Boróka Parászka und Edina Szovren, die das erste Halbjahr 2014 mit einem Stipendium der Robert Bosch-Stiftung im Literarischen Colloquium Berlin verbrachten. Neue Gedichte von Kathrin Schmidt sind zu entdecken. Und in Auf Tritt Die Poesie stellt der Heidelberger Literaturkritiker und segensreiche Lyrikanthologist Michael Braun die Dichterin Martina Weber vor. Wir drucken Gedichte sowie unter dem Titel „Unter der Sprachoberfläche“ poetische Überlegungen von ihr. Herausgeber und Redaktion

Inhalt

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Blick in die Werkstatt­
Ulrich Peltzer Renascimento-Suites 258
Katja Lange-Müller Drehtür 273
 
1914 – 1989 – 2014­
Roland Berbig "Dichter könnte man wirklich zu Hause lassen" 290
Eveline Passet Ein Sprung über die Grenze und nicht wieder zurück 312
 
Ungarische Perspektiven­
Edina Szvoren Herr A. und Fräulein A. 345
Edina Szvoren Obendrauf kann man gehen 351
Boroka Paraszka Vielleicht nicht plötzlich 355
Boroka Paraszka Düsterer Verfall 360
 
­Auf Tritt Die Poesie­
Michael Braun Da die letzten Bilder verschwunden sind 365
Martina Weber Gedichte 367
Martina Weber Unter der Sprachoberfläche 371
Kathrin Schmidt Neue Gedichte 377
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