Nr. 213, März 2015



Editorial

Schon gute Tradition ist es, dass im ersten Heft eines Jahrgangs neue Stim- men der Literatur zu entdecken sind. Die Autorenwerkstatt des Literari- schen Colloquiums Berlin hat sich im Laufe der Jahre einen guten Ruf erarbeitet. Einen guten Ruf, der einmal junge Autoren, die noch keine eigene Publikation vorweisen können, ermuntert, sich zu bewerben. Und zum anderen führt das Ansehen der Werkstatt dazu, dass die Lektoren der wichtigen deutschsprachige Verlage, die immer auf der Suche nach Auto- ren sind, einen Blick in die Arbeitsergebnisse der Werkstatt werfen. Neun Autorinnen und Autoren nahmen im Herbst 2014 an unserer Autoren- werkstatt Prosa teil, die erstmals von der Schriftstellerin Inka Parei gelei- tet wurde. Auf der Leipziger Buchmesse 2015 und in unserem Heft treten die Stipendiaten nun mit Auszügen aus den Projekten auf, die in der Werkstatt diskutiert wurden. Mit Malte Borsdorfs Figuren erleben wir die Sturmflut 1962 zwischen Hamburg und der Insel Wilhelmsburg, mit Thomas Dörschels unberechenbarem Ansgar fahren wir raus aufs Land in ein neues Leben. Die Geschichte einer Familie in einem Staat, den es nicht mehr gibt und der dennoch die Gegenwart prägt, erzählt Paula Fürsten- berg, eine Kindheit mit allen ihr zugehörigen Merkwürdigkeiten wird von Matthias van den Höfel rekonstruiert. Nikolas Hoppes Roman erzählt komisch, traurig, turbulent vom Alltag in einem Waisenhaus in Uganda, Sarah Iwanowskis Figur muss sich mit der schwierigen Rolle als Mutter eines erwachsen gewordenen Kindes zurechtfinden. Yulia Marfutovas Text erzählt vom magisch entrückten Leben an einem Fluss in den Weiten des zaristischen Russland, Christian Schulteisz begibt sich mit den rasan- testen Mitteln der Literatur auf die Spur des Exzentrikers Jürgen von der Wense. Senthuran Varatharajah schließlich lässt uns an einem Gespräch im virtuellen Raum teilhaben, in dem sich zwei Stimmen zu einem Brief- roman unserer Zeit vereinen.

In diesem Märzheft sind aber auch eine junge Lyrikerin und ein junger Lyriker vertreten. In der Abteilung Auf Tritt Die Poesie stellt Michael Braun Sina Klein vor. Und das Heft wird eröffnet mit einem neuen Zyklus von Levin Westermann, der von Michael Braun bereits im Heft 199 vorge- stellt wurde. Last but not least drucken wir einen Beitrag von Ute Nyssen über Elfriede Jelineks Stück Schatten (Eurydike sagt). Wie Sie lesen wer- den beginnen wir mit Kassandra und wir schließen mit Eurydike.


Inhalt

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Levin Westermann A plume of smoke 4
 
Beliner Autorenwerkstatt 2014­
Malte Borsdorf Die Insel am Hafen 11
Thomas Dörschel Rais aufs Land 21
Paula Fürstenberg Familie der geflügelten Tiger (AT) 30
Nikolas Hoppe Ich bin da (AT) 37
Sarah Iwanowski Sandalen 45
Yulia Marfutova Das Röhrchen 51
Christian Schulteisz Wense 60
Matthias van den Höfel niemals still 68
Senthuran Varantharajah im abfall einer stimme 75
 
Auf Tritt Die Poesie­
Michael Braun Lust auf Blessuren 83
Sina Klein Gedichte 85
Sina Klein Die Anders-Welt 90
Ute Nyssen Keinort 94
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