Nr. 219, September 2016



Editorial

Dichten 2020 hieß ein Treffen von sechzehn Dichterinnen und Dichtern vom 13. bis zum 16 Juli in der Eifel. Die Kunststiftung NRW finanzierte das Treffen – und diese Ausgabe der Zeitschrift – und lud gemeinsam mit dem Literarischen Colloquium Berlin Lyriker aus verschiedenen Generationen in das Kloster Steinfeld ein. In abgeschiedener Atmosphäre stellten die Teilnehmer neue Texte vor und diskutierten sie. Dabei sollte nicht eine neue Schule oder ein gemeinsamer Stil gefunden werden, sondern im Gegenteil, die vielfältigen Arten und Weisen zu Wort kommen, in denen zurzeit in diesem Land Gedichte entstehen. Im Zentrum der Diskussionen standen vor allem handwerkliche Fragen. Nahezu alle Teilnehmer äußerten den Wunsch nach einem Folgetreffen, um das begonnene Gespräch fortzusetzen. Wir jedenfalls setzen unsere Reihe Auf Tritt Die Poesie fort, in dieser Ausgabe mit Georg Leß, den der Heidelberger Kritiker Michael Braun vorstellt. Nahezu zeitgleich mit dem Dichtertreffen in der Eifel fand im LCB das internationale Festival Empfindlichkeiten – Homosexualitäten und Literatur statt. Neben Musik, Perfomances, Puppenspiel und Lesungen standen Diskussionen zu den von Hubert Fichte entlehnten Themenfeldern Maske, Körper, Schrift auf dem Programm. Im Zentrum der Diskussionen standen neben dem Verhältnis von eigener Biographie und literarischem Werk, gesellschaftliche und politische Fragen, die besonders anregend und produktiv waren, weil die Teilnehmenden aus sehr unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen von Brasilien über Grönland bis in die arabische Welt kamen. In diesem Heft drucken wir die Statements von 26 Teilnehmern ab, die als Grundlage der Gespräche dienten. Außerdem dokumentieren wir die Eröffnungsrede des marokkanisch-französischen Schriftstellers Abdellah Taïa und die Rede, mit der Kathrin Röggla die Hubert Fichte-Ausstellung eröffnete, die das Festival begleitete.


Inhalt

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Auf Tritt Die Poesie­
Michael Braun Protokolle des Ungeheuerlichen 244
Georg Leß Gedichte 247
 
Dichten 2020­
Nico Bleutge Drei Gedichte 257
Oswald Egger Wie in einem Fass zweierlei ist ein Ei 260
Elke Erb Schau die Genauigkeit 263
Norbert Hummelt Drei Tage in Paris 268
Sina Klein Gedichte 273
Barbara Köhler Dortmund 276
Marie T. Martin Aus: Zündholzschachtelgeist 280
Jürgen Nendza Vier Gedichte für Kall 285
Marion Poschmann Bäume der Erkenntnis 290
Sabine Scho Gedichte 293
Volker Sielaff Zwei Gedichte 298
Ulf Stolterfoht Drei neue Gedichte 301
Julia Trompeter Vier Gedichte 305
Sonja vom Brocke (Ohne Titel) 309
Christoph Wenzel Gedichte 314
Judith Zander wiepersdorf II 317
 
Empfindlichkeiten - Homosexualität und Literatur­
Kathrin Röggla Fichte zu Fuß 321
Abdellah Taia 99 Namen 329
Franziska Bergmann Die Produktivität ästhetischer Differenz 339
Ricardo Domeneck »Ein Körper mit einer Stimme!« 341
Ben Fergusson Eine Feier des Anderen 344
Mario Fortunato Freiheit vom Geschlecht 346
Gunther Geltinger »Schrift« 347
Robert Gillett Advocatus Diaboli 350
Saleem Haddad Wir brauchen neue Wörter 351
Joachim Helfer Gibt es einen schwulen Stil? 353
Dieter Ingenschay Das schwule Spanien und seine (vergleichsweise geringe) Literatur 356
Niviaq Korneliussen Einfach nur ein gutes Buch 361
Dmitry Kuzmin Zwischen Dekadenz und Stagnation 363
Perihan Magden Der Mensch braucht Wahrheit 364
Kristof Magnusson Der fundamental andere Blick 366
Luisge Martin Sind Diktatur, Unterdrückung und Hass nötig, um gute Literatur entstehen zu lassen? 367
Hilary McCollum Wir brauchen eine lesbische Geschichte 369
Thomas Meinecke THE VILLAGE VOICE, New York City, 13. Februar 2013 371
Izabela Morska Anmerkungen zu Hate Speech 373
Ahmet Sami Özbudak Kabarett Masturi 374
Raziel Reid Horizontenerweiterung 377
Jayrome Robinet Die Grenzenlosigkeit der Rebellion 379
Nina Seiler affektiert 380
Sookee Queere Kämpfer*innen 381
Roland Spahr Rituale des Cruising 382
Angela Steidele Empfindlichkeiten 383
Antje Ravic Strubel Auf See 385
Alain Claude Sulzer Wo scheinbar alles möglich schien 387
Suzana Tratnik Mein literarischer Werkzeugkoffer 389
Michat Witkowski Camp contra »harte/direkte Literatur«. 390
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