Nr. 220, Dezember 2016

Ausgabe 220, Dezember 2016.


Editorial

Wissenschaftler kategorisieren gerne, da machen auch die Literaturwissenschaftler keine Ausnahme. Ist nur genügend Zeit vergangen, sprechen sie von Realismus und Naturalismus, von Innerer Emigration oder von der Kahlschlagliteratur. Eine andere Zuordnung der deutschsprachigen Literatur ist aber jene nach Ländern. Gibt es eine deutschschweizer Literatur, eine österreichische? Man würde diese Frage wohl mit ja beantworten, aber wie verhält es sich mit der Literatur, die in der DDR entstanden ist, oder jener von Autoren, die zwar dort aufgewachsen sind, dann aber in die Bundesrepublik gezogen waren? Und schließlich – und darum geht es in diesem Heft –, wie wirkt die DDR nach in der Literatur nach 1989? Ein Germanistikseminar der Universität Rostock unter der Leitung von Holger Helbig stellte diese Frage. Ein Teil des Seminars bestand aus langen Gesprächen mit Autoren aus verschiedenen Generationen und mit verschiedenen Herkünften, die im Januar 2016 im Literarischen Colloquium Berlin geführt wurden. In diesem Heft dokumentieren wir die Gespräche mit Kathrin Gerlof, Nadja Küchenmeister, Thomas Lehr und Ingo Schulze. Neue Texte zum Thema liefern zwei Autoren, die im Westen groß geworden sind: Thomas Lehr und Monika Radl. Thomas Lehr gab uns einen Auszug aus seinem neuen Roman, der zum Teil in Dresden verortet ist. Von Monika Radl drucken wir einen Auszug aus einem Erzählprojekt über einen kleinen Ort im westlichen Brandenburg. Sie hat in vielen Gesprächen mit den Bewohnern eine Dorfchronik in vielen Stimmen verfasst, die vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Daran angeschlossen erinnert sich Hans Christoph Buch an seinen Autorenkollegen und Freund Nicolas Born und gibt uns Einblicke in den nur noch zum Teil erhaltenen Briefwechsel der beiden. Lyrik aber bildet den Rahmen dieses Heftes. Wir drucken einen Gedichtzyklus des Schweizer Dichters Raphael Urweider. Am Ende des Heftes findet sich unsere Kolumne „Auf Tritt Die Poesie“. Matthias Göritz stellt uns Chigozie Obioma in einer von ihm selbst verfertigten Übersetzung vor.


Auf Tritt die Poesie


Leseproben


Inhalt

­­­
Raphael Urweider chorologie 400
 ­

Die DDR in der Literatur nach 1989­
Kathrin Gerlof­ Autobiographisch sind meine Bücher auf keinen Fall 405
­Nadja Küchenmeister Ein bisschen wie in der Liebe, oder? 419
Ingo Schulze Wenn von Literatur die Rede ist, sollte es immer mit der Literatur losgehen 437
Thomas Lehr Tanz mit dem Tiger 452
Thomas Lehr Schlafende Sonne 466
Monika Radl Sonia 477
Hans Christoph Buch Porträt des Autors als junger Spund 488
 

Auf Tritt Die Poesie­
Matthias Göritz Wege ins Land 502
Chigozie Obioma Der Weg ins Land 504
­