Nr. 222, März 2017


Editorial

Anfang Februar trafen sich im Rahmen der von der Allianz Kulturstiftung und dem LCB veranstalteten Mittelmeerreihe „Das weiße Meer“ je drei Autoren aus Marseille und aus Berlin in der deutschen Hauptstadt um in zwei Podiumsdiskussionen über die Besonderheiten der beiden Städte zu diskutieren. Dabei sollten beide Städte als Torstädte zu anderen Kulturen gewürdigt werden: Marseille als Hafenstadt für den Mittelmeerraum und Berlin als Brücke zu Mittel- und Osteuropa. Wir drucken die kurzen, zum Thema einführenden Beiträge von Thierry Fabre, Christian Garcin, Kate­rina Poladjan, Philippe Pujol, Jaroslav Rudiš und Stanis?aw Strasburger.

Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Shida Bazyar, Ulrike Draesner, Matthias Nawrat, Antje Rávic Strubel, Deniz Utlu sowie der Kulturjournalist und Publizist Jens Bisky aus Deutschland sind vom 19. bis 23. April nach Warschau gereist. Unter der Überschrift „Die Vielfalt des Deut­schen“ haben sie in Kurzvorträgen über die Sprache als ihr Werkzeug Auskunft gegeben. Die Reise fand in Kooperation mit der Kultura Libe­ralna statt und wurde vom Auswärtigen Amt gefördert.

Das Heft beginnt auch europäisch. Der Berliner Autor Thomas Lehr hat sich über das allfällige Europa-Bashing geärgert und einen großen Essay über das politische Europa geschrieben. Im Anschluss drucken wir die ersten drei Kapitel des lange erwarteten neuen Romans von Ingo Schulze, der Anfang September unter den Titel Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst in die Buchläden kommt.

Am Ende des Heftes folgt ein ausführlicher Lyrikteil. Er beginnt mit Volker Sielaffs Vorstellung des indischen Lyrikers Hemant Divate. Beate Tröger unterhielt sich auf der Leipziger Buchmesse mit dem in Berlin lebenden Dichter Nico Bleutge. Es geht vor allem um Bleutges eben erschienenen Gedichtband nachts leuchten die schiffe. Annelen Kranefuss war am Tag als die Nachricht vom Tod Joseph Brodskys um die Welt ging – es war der 28. Januar 1996 – zusammen mit dem nordirischen Dichter Paul Muldoon in Köln. In ihrem Beitrag „Letzte Worte“, schildert sie, wie der Kölnaufenthalt Muldoons in sein Widmungsgedicht an Joseph Brodsky „Die Umarmung“ Eingang gefunden hat. Und schließlich doku­mentieren wir die Laudatio, die Jan Volker Röhnert für Orsolya Kalász anlässlich des Peter-Huchel-Preises 2017 in Stauffen gehalten hat.

Herausgeber und Redaktion


Inhalt

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Thomas Lehr Das Ende Europas?
Ingo Schulze Peter Holtz
 
Das weisse Meer. Berlin - Marseille­
Thierry Fabre Marseille - Mittelmeer
aus dem französischen von Andreas Jandl
Christian Garcin Ein Leben in Schwarz-Weiß
aus dem französischen von Andreas Jandl
Katerina Poladjan Eine Spur von Adresse
Philippe Pujol Marseille
aus dem französischen von Andreas Jandl
Jaroslav Rudis Aus Prag nach Berlin und zurück
Stanislaw Strasburger Ich bin ein Berliner
aus dem Polnischen von Simone Falk
 
Die Vielfalt des Deutschen­
Jens Bisky Die vielen Deutschen und die eine Sprache
Shida Bazyar Die deutsche Sprache als Werkzeug meiner Kunst. Oder: Die Wut, das Werkzeug und das Kampfmittel
Ulrike Draesner Der atmende Fisch
Matthias Nawrat Kann die Sprache überhaupt etwas?
Antje Rávic Strubel Sprache, das Werkzeug
Deniz Utlu Die Geometrie der Sprache
 
Auf Tritt die Poesie­
Volker Sielaff Aus dem Großraum des indischen Turbokapitalismus
Über den Marathi-Dichter Hemant Divate
Hemant Divate Gedichte
Deutsch von Andrea Steinauer
Beate Tröger Interview mit Nico Bleutge zu "nachts leuchten die schiffe"
Annelen Kranefuss Letzte Worte
Paul Muldoons Gedenken an Joseph Brodsky
Jan Volker Röhnert Die heraldische Vielgestalt der Poesie in eine übersetzen
Laudatio auf Orsolya Kalász zur Verleihung des Peter-Huchel-Preises 2017
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