Nr. 175, Oktober 2005

Schwerpunktthema: Blick in die Werkstatt – ein Interview mit Ingo Schulze sowie Auszüge aus neuen Romanen von Katja Lange-Müller, Sibylle Lewitscharoff, Ulrich Peltzer, Sabine Peters und Ingo Schulze.

  • Dazu ein Auszug aus Jayne-Ann Igels Protokollen einer Traumwache, Gedichte von Lavinia Greenlaw und John Updike.
  • Auf Tritt … Steffen Popp, vorgestellt von Michael Braun.
  • Joachim Kalka beschäftigt sich mit den esoterischen Erfahrungen der Cherie Blair.

Editorial

Am 10. September dieses Jahres erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Bericht einer Jugoslawienreise von Thomas Hettche, in den er eine Reflexion zur Notwendigkeit von Zeitgenossenschaft im Roman einflocht. Hettche schrieb: „Keine literarische Form ist besser geeignet (…) als jene, die nicht zufällig während eines Krieges, nämlich des Dreißigjährigen, erstmals hierzulande die Not der Zeit in eins faßte. Es scheint mir ein Indiz dafür, wir sehr wir vergessen haben, worauf es in der Literatur ankommt, daß unser Begriff vom Roman alle Emphase verloren hat. Zwar gibt es in Deutschland Familien-, Historien-, Pop- und Enkelromane aller Couleur, doch bereits die um sich greifende Rubrizierung zeigt, daß der Roman jene Mitte des Diskurses meidet, für den er einmal entstand. Eine mögliche Antwort, warum das so ist, lautet: Weil wir selbst in einem generationenalten Reflex die Gegenwart meiden. Noch immer. Mit jener geerbten Scham der Faschistenkinder vor dem Mittun, die doch nicht die unsere ist.“
Schon lange bevor Hettches Artikel erschien, baten wir fünf Prosaautoren um Proben aus gerade entstehenden Romanen. Ob oder wie sehr diese Texte der Forderung Hettches nach Zeitgenossenschaft entsprechen, kann hier überprüft werden. Wir drucken Textauszüge aus den „Werkstätten“ von Katja Lange-Müller, Sibylle Lewitscharoff, Ulrich Peltzer, Sabine Peters und Ingo Schulze. Mit Ingo Schulze haben wir darüber hinaus ein langes Gespräch zu seinem soeben erschienenen Roman Neue Leben geführt.
In Auf Tritt Die Poesie präsentiert Michael Braun den Lyriker Steffen Popp. Im Anschluß stellen wir neue Texte von Jayne-Ann Igel vor: Aus den Protokollen der Traumwache. Darüber hinaus drucken wir Gedichte aus dem Gedichtband Minsk von Lavinia Greenlaw in der Übersetzung von Raphael Urweider sowie Gedichte des amerikanischen Autors John Updike, übersetzt von Susanne Höbel und Helmut Frielinghaus. Joachim Kalka führt uns in seiner Kolumne GB/US mitten hinein in die private Welt der Blairs.

Inhalt

  Auf Tritt Die Poesie
 
Michael Braun
Das Fenster zur Weltnacht 234
Steffen Popp
Gedichte 237

   
Jayne-Ann Igel
Aus den Protokollen einer Traumwache  246

   

Blick in die Werkstatt  
Ingo Schulze
Thomas Geiger
Von der Welt der Worte in die Welt der Zahlen
251
Ingo Schulze
Neue Leben
268
Katja Lange-Müller Harry
278
Sybille Lewitscharoff
Totengespräche
287
Ulrich Peltzer
Sony Center
295
Sabine Peters
Singsand
305
 

  GB/US  
Lavinia Greenlaw Nachgebendes Land 316
John Updike Gedichte 324
Joachim Kalka GB/US. Notizen (XVII) 332